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| Die grafische Industrie ringt um Standards |
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 PDF-Format in der Rolle als «digitaler Film» |
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| Die grafische Industrie wird durch die Digitalisierung der Produktionsabläufe bezüglich der Definition von verbindlichen Normen und Branchenstandards vor neue Herausforderungen gestellt. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Adobe-Acrobat-Technologie und das Portable Document Format (PDF) als «digitaler Druckfilm». |
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| Die Digitalisierung der Drucksachenherstellung ist heute so weit fortgeschritten, dass das «Handwerk» der schwarzen Kunst über weite Strecken keinerlei manuelle Tätigkeiten mehr kennt. Satz, Bildbearbeitung, Grafik und Layout geschehen vollumfänglich am PC-Arbeitsplatz, und am Schluss des Druckvorstufen-Prozesses werden die Druckplatten mittels CTP-Systemen (Computer to Plate) direkt ab den digitalen Daten belichtet. Der Druckfilm, während Jahren das bevorzugte Medium für Druckvorlagen, liegt in diesem digitalen Workflow quer. Drucksachen werden heute digital auf Datenträgern oder per Internet in der Druckerei angeliefert. |
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| Versteckte Fehler erkennen |
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Während der analoge Film eine direkte Qualitätskontrolle durch das geschulte Auge des Druckers erlaubte, ist bei den digitalen Druckvorlagen die Gefahr gross, dass technische Fehler wie eine zu geringe Bildauflösung erst in der Druckmaschine erkannt werden, was hohe Kosten verursacht. Es gilt also, die angelieferten Druckvorlagen akribisch zu prüfen. Analog zum Flugverkehr spricht man dabei von einem Preflight-Test: Vor dem Start der Druckmaschine sollen potenzielle Fehler in den Daten anhand einer umfangreichen Checkliste erkannt werden.
Dieser Preflight gestaltet sich in der Praxis nicht gerade einfach, weil in der Druckvorstufe eine Vielzahl unterschiedlicher Softwarewerkzeuge und Datenformate im Spiel sind. Es hat sich in den letzten Jahren so eingespielt, dass der Druckerei die kompletten Arbeitsdaten der Vorstufe übergeben werden, also die Layoutdaten zusammen mit den verwendeten Schriften und den im Layout verknüpften Illustrationen und Bildern. Da für jedes dieser Elemente eine Handvoll unterschiedlicher Datenformate etabliert sind - zum Beispiel für Bilder Tiff, Jpeg, PSD und EPS -, ist es auf diese Weise fast unmöglich, den Preflight-Prozess zu standardisieren.
Als Lösung dieses Problems bietet sich das Portable Document Format (PDF) an. Dieses von der Firma Adobe ursprünglich für die Bürokommunikation entwickelte Datenformat erlaubt es, alle Elemente, die eine Druckseite definieren, in eine einzige Datei zu verpacken. Dieses Konzept wurde im Laufe der Zeit für die Druckindustrie so weit verfeinert, dass man heute eine PDF-Datei problemlos als «digitalen Film» einsetzen kann. Da Adobe die Spezifikationen von PDF offengelegt hat und sich aus jeder Applikation mit der Acrobat-Software relativ einfach eine PDF-Datei erstellen lässt, ist dieses Format für eine Standardisierung des Druckvorstufenprozesses geradezu prädestiniert. Folgerichtig wurden im Frühling 2002 unter der Sammelbezeichnung PDF/X (X für Exchange) ISO-Normen geschaffen, die genau spezifizieren, welche Kriterien eine drucktaugliche PDF-Datei erfüllen muss. So darf eine PDF/ X-Datei beispielsweise keine Kommentare oder Formulardaten enthalten, und die im Dokument verwendeten Schriften müssen zwingend eingebettet sein. |
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Damit müssten die Voraussetzungen gegeben sein, dass die Druckindustrie ihre Vorbehalte gegenüber dem vermeintlichen «Büroformat» PDF ablegt. Bis jetzt hat sich PDF nämlich noch keineswegs als Standardaustauschformat der grafischen Industrie etabliert. Eine Erhebung des Schweizerischen Verbands für visuelle Kommunikation (Viscom) aus dem letzten Jahr zeigt, dass bei kleinen und mittleren Akzidenzdruckereien über 80 Prozent der Aufträge in Form offener Arbeitsdaten (wie etwa Quark Xpress, Microsoft Word oder Adobe Illustrator) angeliefert werden und nur knapp 15 Prozent als PDF.
Die Gründe für dieses zögerliche Einspuren auf einen standardisierten PDF-Workflow sind vielfältig und zum Teil irrational. Zu Letzterem gehört etwa eine gewisse Fortschrittsmüdigkeit in einer Branche, in der mancher nach zwanzig technologisch stürmischen Jahren gerne wieder einmal eine Atempause einlegen möchte. Weiter fehlt es angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage vielerorts an den Mitteln für die mit einem PDF/X-Workflow verbundenen Investitionen in Infrastruktur und Schulung der Mitarbeiter.
Und schliesslich stehen viele gewerblich geprägte Betriebe der grafischen Industrie einem Standardisierungsprozess an und für sich schon kritisch gegenüber, da dieser zum Selbstverständnis der Gilde der schwarzen Kunst im Widerspruch steht. Der Drucker der alten Schule war gefordert, angesichts ständig schwankender Druckvorlagen für jeden Job mit viel Intuition die besten Maschineneinstellungen zu finden. In einem standardisierten Workflow geht es dagegen darum, den Druckprozess auf einem durch Normen vorgegebenen konstanten Niveau zu halten. Während der intuitive Prozess die Möglichkeit bot, eine spezielle Kundenbindung zu schaffen, indem man etwa den Kunden zum Abstimmen an die Druckmaschine einlud, wird der Drucker im standardisierten Prozess eher austauschbar. |
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| Inserate-Plattform als treibende Kraft |
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Trotz diesen Hemmnissen stehen die Chancen gut, dass es in der Schweiz jetzt mit der Standardisierung rund um PDF/X schneller vorangeht als in anderen Ländern. Zum einen war der Verein zur Förderung wissenschaftlicher Untersuchungen in der grafischen Industrie (Ugra) zusammen mit dem Schweizer PDF-Spezialisten Stefan Jaeggi massgeblich an der Ausarbeitung der in Europa relevanten Norm PDF/X-3 beteiligt. Zum anderen hat sich die Inserate-Drehscheibe PrintOnline entschieden, ab Januar 2005 PDF/X-3 zum Standard für den ganzen Datentransfer zwischen Werbeauftraggebern und den Verlagen zu machen. Angesichts der Tatsache, dass 370 Schweizer Zeitungen und 96 Zeitschriften an PrintOnline angeschlossen sind und im letzten Jahr rund 110 000 Anzeigen über diese Plattform verteilt wurden, kann man von einer raschen Verbreitung des PDF/X-3-Standards im Schweizer Verlagswesen ausgehen.
Um PDF/X-3 auch im Akzidenzdruck und in der übrigen grafischen Industrie zu einem raschen Durchbruch zu verhelfen, hat jetzt eine Interessengemeinschaft um PrintOnline das Qualitätslabel «PDF/X-3 Ready» lanciert, das Dienstleister auszeichnet, die für einen entsprechenden Workflow gerüstet sind. Als unabhängige Zertifizierungsstelle soll dabei die Ugra fungieren. Mit dem PDF/X-3-Label sollen nicht zuletzt auch die Drucksachen-Auftraggeber für diese Thematik sensibilisiert werden, die ja am Ende die versteckten Kosten von unstandardisierten Arbeitsabläufen in der grafischen Industrie zu tragen haben.
Martin Spaar |
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